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Studium abgebrochen, was nun? Fünf Wege danach

Ein Studienabbruch trifft laut DZHW rund jeden vierten Bachelor-Studierenden und ist kein Ende, sondern eine Weggabelung. Dieser Ratgeber zeigt fünf Wege danach und die Fristen, die du kennen solltest.

Redaktion StudienbereicheAktualisiert 6 Min. LesezeitStand Oktober 2026

Junge Frau steht im Herbst an einer Wegkreuzung im Park und überlegt
Junge Frau steht im Herbst an einer Wegkreuzung im Park und überlegt Foto: thegetty / rawpixel (CC0)

Ein Studienabbruch ist häufig und kein Ende deiner Laufbahn. Laut DZHW beenden 28 Prozent der Bachelor-Studierenden das Studium ohne Abschluss. Du hast fünf Wege: Fach wechseln, Hochschule wechseln, eine Ausbildung beginnen, direkt arbeiten oder ein duales Studium starten. Kläre zuerst Gründe, Geld und Fristen, bevor du dich exmatrikulierst.

Du bist nicht allein: Zahlen zum Abbruch

Wenn du gerade an deinem Studium zweifelst, hilft ein Blick auf die Größenordnung. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) berechnet für den Absolventenjahrgang 2020 eine Abbruchquote von 28 Prozent im Bachelor. An Universitäten sind es 35 Prozent, an Hochschulen für angewandte Wissenschaften 20 Prozent. Im Master liegt die Quote bei 21 Prozent (DZHW, Pressemitteilung vom 17. August 2022).

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die Studienanfänger des Jahres 2019 beobachtet. Etwa 11 Prozent hatten nach drei Semestern ohne Abschluss die Hochschule verlassen. Im Bachelor waren es 12 Prozent (Destatis, Pressemitteilung Nr. 200 vom 22. Mai 2024). Laut Neugebauer (2025) verlassen Bachelor-Abbrecher das Studium im Schnitt nach 3,8 Fachsemestern, 47 Prozent schon in den ersten beiden Fachsemestern.

Diese Zahlen sagen etwas Wichtiges: Wer früh merkt, dass es nicht passt, steht mit vielen anderen da. Und wer früh handelt, verliert weniger Zeit und Geld.

Warum Studierende abbrechen

Die DZHW-Studie von 2017 nennt für den Bachelor drei häufige Gründe:

Grund für den Abbruch (Bachelor)Anteil
Leistungsprobleme, die Anforderungen sind zu hoch30 Prozent
Mangelnde Studienmotivation17 Prozent
Wunsch nach praktischer Arbeit15 Prozent

Finanzielle Probleme und die Vereinbarkeit von Job und Studium spielen laut derselben Studie eine geringere Rolle. Neugebauer (2025) ergänzt weitere Faktoren: unrealistische Erwartungen, schwierige Kontakte zu Lehrenden und Mitstudierenden sowie familiäre oder gesundheitliche Gründe. Cort-Denis Hachmeister vom CHE spricht häufig von einem „Matching-Problem“, also einer unpassenden Studienwahl (Forschung & Lehre, 2024).

Warum das für dich zählt: Dein Grund bestimmt den nächsten Schritt. Ist es das Fach, hilft ein Wechsel. Ist es die Lernform, hilft vielleicht eine Ausbildung oder ein duales Studium. Ist es eine Krise, hilft zuerst Beratung.

Welcher Grund passt zu welchem Weg?

Die folgende Zuordnung ist eine Orientierung, keine Regel. Sie verbindet die häufigsten Abbruchgründe aus der DZHW-Forschung mit dem Weg, der sie am ehesten löst.

Dein HauptgrundNaheliegender WegErster Schritt
Fach passt nicht, Lernen macht aber SpaßFachwechselStudienberatung, Anrechnung klären
Hochschule, Betreuung oder Ort passen nichtHochschulwechselWunschhochschule und Fristen prüfen
Du willst praktisch arbeitenAusbildung oder duales StudiumKammer, Agentur für Arbeit, Betriebe
Leistungsprobleme im GrundstudiumNachhilfe, Tutorium, dann neu entscheidenFachstudienberatung
Geld oder familiäre LageTeilzeit, Pause oder BerufStudierendenwerk, BAföG-Amt
Gesundheit oder KriseErst Unterstützung, dann Entscheidungpsychologische Beratung der Hochschule

Wenn es dir psychisch schlecht geht

Ein Abbruch kann belasten. Neugebauer (2025) berichtet, dass Abbrecher im Vergleich zu Absolventen Jahre später etwas niedrigere Lebenszufriedenheit und etwas mehr depressive Symptome zeigen. Das ist ein Gruppenbefund, kein Schicksal, und er sagt nichts über dich persönlich. Es spricht aber dafür, den Abbruch nicht allein zu tragen. Viele Hochschulen und Studierendenwerke bieten psychologische Beratung an. Sprich dort früh an, am besten bevor du Entscheidungen triffst, die sich schwer rückgängig machen lassen.

Der erste Schritt: Beratung und eine ehrliche Bilanz

Bevor du etwas unterschreibst, sprich mit jemandem. Die Studienberatung deiner Hochschule, die Beratung der Studierendenwerke und die Agentur für Arbeit gehören zu den Anlaufstellen, die auch der Bericht von test.de empfiehlt. In Baden-Württemberg bieten Industrie- und Handelskammer und Agentur für Arbeit Stuttgart gemeinsam Beratung für Studienaussteiger an. Das Bundesbildungsministerium betreibt außerdem ein Onlineportal zum Studienabbruch.

Setz dich danach mit einem Blatt Papier hin und beantworte vier Fragen:

  1. Woran liegt es: Fach, Hochschule, Lernweise, Leistung, Geld, Gesundheit?
  2. Was habe ich schon geschafft, und was davon ist anrechenbar?
  3. Was möchte ich in drei Jahren tun, nicht nur weg von hier, sondern hin zu etwas?
  4. Welche Frist läuft gerade (Rückmeldung, Prüfungsanmeldung, BAföG)?

Dein Plan für die nächsten sieben Tage

  1. Tag 1: Aufschreiben, was nicht passt und was du behalten willst.
  2. Tag 2: Beratungstermin bei der Studienberatung oder dem Studierendenwerk anfragen.
  3. Tag 3: Prüfen, welche Leistungen du schon erbracht hast und welche Frist läuft.
  4. Tag 4: Zwei bis drei Alternativen recherchieren, zum Beispiel über die Studienfächer und die Kammern.
  5. Tag 5: BAföG-Amt und Krankenkasse nach den Folgen fragen.
  6. Tag 6: Mit einer Vertrauensperson sprechen.
  7. Tag 7: Entscheidung vorbereiten, aber nichts überstürzen.

Fünf Wege nach dem Abbruch

1. Das Fach wechseln

Wenn dir das Fach nicht liegt, das Studieren an sich aber schon, wechsle innerhalb der Hochschule oder zu einer anderen. Bereits erbrachte Leistungen lassen sich oft anrechnen. Einen Überblick über Fächer und ihre Größe bieten die Studienfächer und die Studienbereiche. Wenn du neu orientieren willst, hilft der Studienwahl-Test.

2. Die Hochschule wechseln

Manchmal liegt das Problem im Studiengang vor Ort: Prüfungsdichte, Betreuung, Studienalltag. Ein Wechsel von der Universität an eine Hochschule für angewandte Wissenschaften bringt mehr Praxisanteile. Laut DZHW liegt die Abbruchquote im Bachelor an Hochschulen für angewandte Wissenschaften bei 20 Prozent und an Universitäten bei 35 Prozent. Das zeigt nicht, dass eine Hochschulart besser ist, sondern dass die Passung zählt. Das Hochschulverzeichnis hilft bei der Suche.

3. Eine Ausbildung beginnen

Sechs Monate nach dem Abbruch hatten laut DZHW-Studie von 2017 43 Prozent der Bachelor-Abbrecher eine Berufsausbildung begonnen, weitere 31 Prozent waren erwerbstätig. Die Industrie- und Handelskammern werben gezielt um Studienaussteiger. Nach test.de (Stand 2016) kann das Abitur die Ausbildungsdauer um bis zu zwölf Monate verkürzen, wobei die Mindestdauer bei dreijährigen Ausbildungen 18 Monate beträgt. Prüfe die aktuellen Regeln bei der zuständigen Kammer, sie können sich geändert haben.

Im DZHW-Brief 03/2024 heißt es außerdem, dass Ausbildungsbetriebe die Kompetenzen von Abbrechern teils höher einschätzen als die von Bewerbern mit Schulabschluss. Das kann deine Chancen auf eine Stelle verbessern.

4. Direkt arbeiten

Das ist möglich, hat aber Grenzen. Laut Neugebauer (2025) stehen Abbrecher im Vergleich zu Absolventen bei Einstellung, Einkommen und sozioökonomischem Status schlechter da. Gegenüber Personen, die nie studiert und stattdessen eine Berufsausbildung gemacht haben, sind die Unterschiede klein. Ein Berufsabschluss ist deshalb meist der stabilere Boden.

5. Ein duales Studium

Wer Praxis und Studium verbinden will, bewirbt sich bei einem Unternehmen für ein duales Studium. Du lernst im Betrieb und an der Hochschule, bekommst häufig eine Vergütung und hast einen festen Platz. Voraussetzung ist, dass du dich bei den Betrieben bewirbst. Mehr dazu findest du in unseren Ratgebern unter Ratgeber.

Geld, Fristen, Formalitäten

Mit der Exmatrikulation endet dein Studierendenstatus. Damit ändert sich oft die Krankenversicherung, und Semesterticket, Mensa und Bibliothek fallen weg. Kläre das vorher mit deiner Krankenkasse und der Hochschule.

Beim BAföG gilt: Ein Wechsel oder Abbruch ist förderungsunschädlich, wenn du einen wichtigen Grund hast, zum Beispiel Neigungswandel oder Eignungsmängel, und wenn du unverzüglich handelst. Nach § 7 Abs. 3 BAföG wird der wichtige Grund beim erstmaligen Wechsel oder Abbruch bis zum Beginn des vierten Fachsemesters in der Regel vermutet. Danach brauchst du einen wichtigen Grund, spätestens bis zum Beginn des fünften Fachsemesters, später nur noch einen unabweisbaren. Melde dich so früh wie möglich beim zuständigen Amt. Eine allgemeine Verschlechterung der Berufsaussichten zählt nicht.

Lebenslauf und Gespräch: wie du den Abbruch erzählst

Ein Abbruch ist keine Lücke, wenn du ihn erklärst. Nenne den Zeitraum, die Fächer und das, was du gelernt hast: wissenschaftliches Arbeiten, Selbstorganisation, Fachwissen. Sag in einem Satz, warum du dich neu entschieden hast, und lege den Schwerpunkt auf das neue Ziel. Betriebe fragen weniger nach dem Scheitern als nach Motivation und Verlässlichkeit.

Praktischer Tipp: Fordere vor der Exmatrikulation einen Nachweis über deine Module und Leistungen an, etwa eine Leistungsübersicht oder ein Transcript of Records. Damit kannst du bei einem Fachwechsel Anrechnungen beantragen und bei Bewerbungen belegen, was du bereits geschafft hast. Eine Studienbescheinigung für die Zeit deiner Einschreibung brauchst du oft für Behörden und Versicherungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 28 Prozent der Bachelor-Studierenden beenden das Studium ohne Abschluss (DZHW, Jahrgang 2020).
  • Die meisten gehen früh: 47 Prozent in den ersten beiden Fachsemestern.
  • Prüfe zuerst den Grund und lass dich beraten, bevor du dich exmatrikulierst.
  • Sechs Monate nach dem Abbruch hatten 43 Prozent eine Ausbildung begonnen, 31 Prozent arbeiteten (DZHW 2017).
  • BAföG-Fristen beim Wechsel sind eng; frag früh beim Amt nach.
  • Erzähle den Abbruch im Lebenslauf als Entscheidung für ein neues Ziel.

Quellen

  1. DZHW: Pressemitteilung zu Studienabbruchquoten, 17.08.2022
  2. DZHW: Studienabbrecher, Pressemitteilung 2017
  3. Neugebauer (2025): Studienabbruchforschung, pedocs
  4. Forschung & Lehre: Elfprozentige Abbruchquote nach drei Semestern (Destatis)
  5. Forschung & Lehre: Hochschulen intensivieren Maßnahmen gegen Studienabbruch, 2024
  6. Studierendenwerk Paderborn: Fachrichtungswechsel nach § 7 Abs. 3 BAföG
  7. e-fellows.net: BAföG und Fachwechsel
  8. Stiftung Warentest: Studienabbrecher, gute Chancen für den Einstieg ins Berufsleben, 2016
  9. Statistisches Bundesamt: 11 % der Studienanfängerinnen und -anfänger des Jahres 2019 brachen ihr Studium in den ersten drei Semestern ab, Pressemitteilung Nr. 200 vom 22.05.2024

Häufige Fragen

Wie viele Studierende brechen ab?

Laut DZHW (Absolventenjahrgang 2020) brechen 28 Prozent im Bachelor ab, 35 Prozent an Universitäten und 20 Prozent an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Im Master sind es 21 Prozent.

Was machen die meisten nach dem Abbruch?

Laut DZHW-Studie von 2017 hatten sechs Monate nach dem Abbruch 43 Prozent eine Berufsausbildung begonnen und 31 Prozent waren erwerbstätig.

Soll ich zuerst exmatrikulieren oder erst beraten lassen?

Lass dich zuerst beraten, etwa bei der Studienberatung, dem Studierendenwerk oder der Agentur für Arbeit. Mit der Exmatrikulation enden Studierendenstatus und oft die studentische Krankenversicherung.

Verliere ich beim Fachwechsel mein BAföG?

Nicht, wenn du einen wichtigen Grund hast und unverzüglich handelst. Die Fristen sind eng, die Quellen nennen den Beginn des dritten oder vierten Fachsemesters. Frag früh beim zuständigen Amt nach.

Wie gehe ich im Lebenslauf mit dem Abbruch um?

Nenne Zeitraum und Fach, beschreibe, was du gelernt hast, und begründe in einem Satz den neuen Weg. Der Fokus gehört auf das, was du als Nächstes vorhast.