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Abschlüsse & Wege

Psychologie studieren: Dauer, Zulassung, Approbation

Wer Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden will, studiert fünf Jahre und bildet sich danach mindestens fünf Jahre weiter. Hier siehst du jede Etappe und ihre Voraussetzungen.

Redaktion StudienbereicheAktualisiert 6 Min. LesezeitStand Oktober 2026

Heller Besprechungsraum
Heller Besprechungsraum Foto: Benjamin Child / StockSnap (CC0)

Der Weg zur Psychotherapeutin oder zum Psychotherapeuten dauert fünf Jahre Studium: drei Jahre Bachelor, zwei Jahre Master, dann die staatliche Prüfung mit Approbation. Danach folgt eine mindestens fünfjährige Weiterbildung. Ein Psychologiestudium ohne Therapieziel ist kürzer und breiter. Welcher Weg zu dir passt, hängt vom Berufsziel ab, nicht vom Bachelor allein.

Zuerst die Frage: Willst du Psychotherapeut werden?

„Psychologie studieren“ heißt nicht automatisch, später Menschen zu behandeln. Der Bachelor Psychologie ist ein breites Grundlagenstudium. Erst der Master entscheidet, in welche Richtung es geht: Forschung, Wirtschaft, Beratung oder Psychotherapie. Die Behandlung von Patienten mit Krankheitswert ist ein reglementierter Beruf, für den es eine staatliche Erlaubnis braucht, die Approbation.

Deshalb lohnt sich ein Blick auf zwei Wege:

  • Weg A, Psychotherapie: Bachelor, Master mit klinischem Schwerpunkt, Approbationsprüfung, Weiterbildung.
  • Weg B, Psychologie ohne Approbation: Bachelor und ein Master in Forschung, Arbeits- und Organisationspsychologie oder einem anderen Bereich; keine Heilkunde am Menschen.

Der Weg im Überblick

StationDauerErgebnis
Bachelor Psychologie (polyvalent)sechs Semester, in der Regel drei JahreBachelor of Science, Voraussetzung für den Master
Master Klinische Psychologie und Psychotherapievier Semester, in der Regel zwei JahreZugang zur staatlichen Prüfung
Approbationsprüfungdirekt im Anschluss an den MasterApprobation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut
Weiterbildungmindestens fünf JahreFachpsychotherapeut, Voraussetzung für die Kassenzulassung

Das Bundesgesundheitsministerium beschrieb die Reform 2019 mit genau diesem Aufbau: fünfjähriges Universitätsstudium mit Bachelor und Master, Abschluss mit staatlicher Prüfung, danach Weiterbildung. Das neue Psychotherapeutengesetz gilt seit dem 1. September 2020.

Bachelor Psychologie: Inhalte und Zulassung

Der Bachelor dauert in der Regel sechs Semester. Die Universität Trier beschreibt ihn als allgemeinen, polyvalenten Studiengang, der in Grundlagen- und Anwendungsfächer einführt und die Inhalte der Approbationsordnung abdeckt. Die Universität Marburg bietet seit dem Wintersemester 2020/21 einen sechssemestrigen polyvalenten Bachelor an. „Polyvalent“ bedeutet: Er öffnet mehrere Master-Wege, nicht nur den therapeutischen.

Zur Zulassung gibt es keine bundesweit einheitliche Regel. Manche Universitäten verlangen Anmeldung und Studieneignungstest, andere vergeben Plätze nach örtlichen Verfahren. Ob ein Standort zulassungsbeschränkt ist und welche Frist gilt, steht auf den Seiten der jeweiligen Hochschule. Eine Liste aller Standorte findest du im Hochschulverzeichnis. Das Studium wird an Universitäten angeboten: Das Prüfungsamt in Nordrhein-Westfalen hält ausdrücklich fest, dass Fachhochschulen diesen Studiengang nicht anbieten dürfen.

Wie viele Menschen Psychologie studieren und wie sich das Fach entwickelt, zeigen die Seiten der Studienfächer.

Der Master entscheidet

Der Bachelor allein reicht für die Approbation nicht. Die Universität Marburg sagt es deutlich: Für die Weiterbildung im neuen System ist der Master Klinische Psychologie und Psychotherapie zwingend. An ihrem Beispiel zeigt sich auch, wie die Master-Landschaft aussieht:

  • ein viersemestriger Master Klinische Psychologie und Psychotherapie, der zur Approbationsprüfung führt,
  • ein viersemestriger Master mit Schwerpunkt Forschung und Anwendung ohne klinische Psychologie,
  • ein zweisemestriger Master Psychologie, für den ein achtsemestriger Bachelor Voraussetzung ist.

Das Gesetz (§ 9 PsychThG) legt fest, dass das Studium fünf Jahre in Vollzeit dauert und 300 ECTS-Punkte umfasst, was 9.000 Stunden entspricht. Davon entfallen 180 ECTS-Punkte auf approbationsrelevante Lehre und Praktika. Beide Studiengänge müssen akkreditiert sein, und für den Master muss ein passender Bachelor oder eine gleichwertige Qualifikation vorliegen. Wenn du von einer anderen Hochschule oder aus dem Ausland kommst, prüft die aufnehmende Universität die Gleichwertigkeit; ohne Nachqualifizierung bei den praktischen Einsätzen ist das laut den Hinweisen des Prüfungsamts in NRW schwer zu erreichen.

Praxis im Studium: was § 9 PsychThG verlangt

Das Studium ist kein reines Hörsaalfach. Das Gesetz schreibt Praktika vor und teilt die approbationsrelevanten 180 ECTS-Punkte so auf:

StufeLehre an der UniversitätPraktische EinsätzeSumme
Bachelor82 ECTS (2.460 Stunden)19 ECTS (570 Stunden)101 ECTS
Master54 ECTS (1.620 Stunden)25 ECTS (750 Stunden)79 ECTS

Die Bezirksregierung Düsseldorf nennt für den Bachelor ein forschungsorientiertes Praktikum I, ein Orientierungspraktikum und eine berufsqualifizierende Tätigkeit I. Im Master kommen das forschungsorientierte Praktikum II und die berufsqualifizierende Tätigkeit III dazu. Plane diese Einsätze in den Semesterferien oder im Stundenplan ein und frag früh nach Plätzen.

Die staatliche Prüfung und die Approbation

Der Master endet mit einer Staatsprüfung nach § 10 PsychThG. Nach den Hinweisen der Bezirksregierung Düsseldorf besteht sie aus einer mündlich-praktischen Fallprüfung und einer anwendungsorientierten Parcoursprüfung. Wer sie besteht, beantragt die Approbation bei der zuständigen Behörde; in Nordrhein-Westfalen ist das die Bezirksregierung des Ausbildungsorts. Die Berufsbezeichnung lautet Psychotherapeutin oder Psychotherapeut.

Die Approbation ist die Erlaubnis zur Berufsausübung. Sie ersetzt aber nicht die Weiterbildung, wenn du später gesetzlich Versicherte auf Kassenkosten behandeln willst.

Die Weiterbildung: fünf Jahre bezahlte Praxis

Nach der Approbation beginnt die Weiterbildung. Die Bundespsychotherapeutenkammer und die Landeskammern beschreiben sie so:

  • Sie dauert mindestens fünf Jahre, Teilzeit ist möglich. Unterbrechungen von mehr als sechs Wochen innerhalb von zwölf Monaten zählen nicht und müssen nachgeholt werden.
  • Es gibt drei Fachgebiete: Erwachsene, Kinder und Jugendliche sowie neuropsychologische Psychotherapie.
  • Im allgemeinen Weg sind je mindestens zwei Jahre ambulant und stationär vorgesehen, ein weiteres Jahr kann in einer Einrichtung der Jugendhilfe, Suchthilfe oder Behindertenhilfe verbracht werden. Die Neuropsychologie hat eine eigene Verteilung mit 24 Monaten ambulant, zwölf Monaten stationär und zwölf Monaten in einem multidisziplinären Setting.
  • Für Erwachsene und für Kinder und Jugendliche lernst du eines der vier anerkannten Verfahren: analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, systemische Therapie oder Verhaltenstherapie.
  • Du bist während der Weiterbildung bereits approbiert, arbeitest also im Anstellungsverhältnis mit angemessener Vergütung und sozialversichert. Theorie, Supervision und Selbsterfahrung zählen als bezahlte Arbeitszeit.
  • Den Abschluss bildet eine mündliche Prüfung von mindestens 30 Minuten bei der Landespsychotherapeutenkammer. Das Zeugnis wird für den Eintrag ins Arztregister gebraucht, der vor dem Antrag auf eine Kassenzulassung erforderlich ist.

Das unterscheidet das neue System von der alten Ausbildung: Die Weiterbildung ist eine angestellte, bezahlte Stelle, kein Studium und keine Praktikumsphase.

Die drei Fachgebiete im Vergleich

FachgebietZielgruppeBesonderheit
ErwachsenePsychotherapie für ErwachseneWahl eines anerkannten Verfahrens: analytisch, tiefenpsychologisch, systemisch oder Verhaltenstherapie
Kinder und JugendlichePsychotherapie für Minderjährigeebenfalls Verfahrenswahl; Stationen in Jugendhilfe möglich
Neuropsychologische PsychotherapieMenschen mit Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirnseigene Verteilung: 24 Monate ambulant, zwölf stationär, zwölf multidisziplinär

Welches Fachgebiet du wählst, musst du erst nach dem Master entscheiden. Im Studium lernst du die Grundlagen für alle drei.

Der alte Weg läuft aus

Die frühere Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin (PP) oder zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) ist nur noch eine Übergangslösung. Wer seinen relevanten Bachelor vor dem 1. September 2020 begonnen hat, kann die alte Ausbildung nach der Übergangsregelung noch absolvieren. Die Universität Gießen nennt als Frist den 1. September 2032, in Härtefällen längstens drei Jahre länger, also bis 2035. Die Psychotherapeutenkammer Berlin bestätigt den Stichtag 1. September 2032. Das Prüfungsamt in Nordrhein-Westfalen schreibt, dass nach altem Recht nur noch bis 2032 ausgebildet wird. Wenn du jetzt anfängst zu studieren, gehörst du zum neuen System.

Der Diplomstudiengang Psychologie, den es früher gab, wurde zum Ende des Sommersemesters 2020 eingestellt (Beispiel Marburg). Heute führt der Weg über Bachelor und Master.

Ist das Fach das Richtige für dich?

Das Studium ist stark empirisch und statistisch. Methodenlehre, Statistik und Forschungspraktika nehmen viel Raum ein. Wer vor allem „mit Menschen reden“ will, sollte das wissen. Außerdem ist der Bachelor nach Angaben der Universität Marburg zwar berufsqualifizierend, bietet in der Psychologie aber meist nur wenige Stellen; mit dem Master sind die Perspektiven deutlich besser.

Wie lange Studien allgemein dauern, steht im Ratgeber Regelstudienzeit und tatsächliche Dauer. Zur Orientierung hilft der Studienwahl-Test. Verwandte Fächer wie Sozialpädagogik oder Kindheitspädagogik findest du in den Studienbereichen. Wenn dich die Arbeit mit Menschen reizt, aber der Psychotherapie-Weg zu lang erscheint, lies unseren Ratgeber Soziale Arbeit studieren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Studium zur Psychotherapeutin: fünf Jahre, 300 ECTS-Punkte, Bachelor und Master an einer Universität (§ 9 PsychThG).
  • Der Master Klinische Psychologie und Psychotherapie führt zur Staatsprüfung und zur Approbation; der Bachelor allein genügt nicht.
  • Danach folgt eine Weiterbildung von mindestens fünf Jahren als bezahlte Anstellung.
  • Zur Kassenzulassung brauchst du den Abschluss der Weiterbildung und den Eintrag ins Arztregister.
  • Die alte PP/KJP-Ausbildung gibt es nur noch als Übergang bis zum 1. September 2032, in Härtefällen länger.
  • Psychologie ohne Therapieziel bleibt möglich, mit Master in Forschung oder Anwendung.

Quellen

  1. Bundesgesundheitsministerium: Moderne Ausbildung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (27.02.2019)
  2. Psychotherapeutengesetz (PsychThG), § 9 Studium
  3. Bezirksregierung Düsseldorf: Hinweise zum Studiengang nach neuem Recht (Stand 16.04.2026)
  4. Universität Marburg, Fachbereich Psychologie: Häufige Fragen zum Studium
  5. Universität Trier: Bachelorstudium Psychologie, Kurzbeschreibung
  6. BPtK-Ratgeber: Was kommt nach dem Studium (Weiterbildung)
  7. Psychotherapeutenkammer Berlin: Aus-, Fort- und Weiterbildung
  8. Universität Gießen: Beruf Psychotherapie, alter und neuer Weg

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Psychologiestudium?

Der Bachelor dauert in der Regel sechs Semester, der klinische Master vier Semester. Für die Approbation als Psychotherapeut sind es nach § 9 PsychThG fünf Jahre Studium. Danach folgt eine Weiterbildung von mindestens fünf Jahren.

Reicht ein Bachelor in Psychologie für die Approbation?

Nein. Für die Approbationsprüfung brauchst du den Master Klinische Psychologie und Psychotherapie. Der Bachelor ist die Grundlage, qualifiziert aber allein nicht zur Psychotherapeutin.

Kann ich Psychologie an einer Fachhochschule studieren und Psychotherapeut werden?

Der approbationsberechtigende Studiengang wird an Universitäten oder gleichgestellten Hochschulen angeboten. Nach den Hinweisen der Bezirksregierung Düsseldorf dürfen Fachhochschulen ihn nicht anbieten.

Verdiene ich in der Weiterbildung Geld?

Ja. Du bist bereits approbiert und arbeitest im Anstellungsverhältnis mit angemessener Vergütung und Sozialversicherung. Die Höhe hängt vom Arbeitgeber ab.

Gibt es die alte Psychotherapeuten-Ausbildung noch?

Nur als Übergangsregelung. Wer den passenden Bachelor vor dem 1. September 2020 begonnen hat, kann bis zum Stichtag 1. September 2032 nach altem Recht ausbilden, in Härtefällen etwas länger.

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